Auf der Flucht

R-D Ossa: Die Flucht vor Herodes

Maria und Josef fliehen mit Jesus vor dem Zugriff des Herodes nach Ägypten. Der Fluchtweg auf dem Bild führt durch Wasser und Feuer, mit anderen Worten durch Lebensgefahr. Der Wasserstrom scheint aus einer Höhle im Hintergrund zu kommen und mitten durch das Paar zu fließen. Der reißende Strom schwillt stark an.
Dennoch gehen Maria und Josef durch die Fluten. Josef lehnt seinen Kopf an den von Maria. Sein Arm ist um sie gelegt. So stützt er sie und das Kind. Feuerflammen umgeben sie. Aber die können ihnen nichts anhaben. Die Familie erlebt auf der Flucht, wie Gott sie bewahrt.
Gottes Zusage aus Jesaja 43,2-3 wird wahr: „Wenn Du durchs Wasser gehst, will ich bei Dir sein, und wenn Du durch Ströme gehst, sollen sie Dich nicht ersäufen. Wenn Du ins Feuer gehst, wirst Du nicht brennen, und die Flamme wird Dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, Dein Gott, der Heilige Israels, Dein Heiland.“
Noch hält Gott seine Hand schützend über seinen Sohn. Die Flucht gelingt. Doch die Familie wird zurückkehren. Jesus wird den Weg zurückgehen, bis zum Kreuz und die Grabhöhle, die im Hintergrund auf ihn warten.

Bild 1: „Heiliger Geist wird über Dich kommen…“

R.-D. Ossa: "Heiliger Geist wird über Dich kommen…"Der Engel im Vordergrund ragt ins Bild. Ein Zeigefinger zeigt auf Maria. Es ist der Moment, in dem er Maria offenbart: Gott will Dich in sein Tun einbeziehen. „Heiliger Geist wird über Dich kommen. Du wirst schwanger werden und den Retter der Welt zur Welt bringen…“.

Maria weiß nicht recht, wohin mit ihren Händen. Sie hält sie vor sich, als sei sie bereits schwanger. Sie versucht das Unbegreifliche zu greifen. „Gott meint mich! Er möchte mich in sein Wirken einbeziehen.“ Dabei ist sie doch nur eine ganz gewöhnliche junge Frau. Gott hätte ebenso gut eine andere auswählen können. Mit seinem Sohn gibt sich Gott in ihre Hand. Tag für Tag wird sie mit der Schwangerschaft seine Gegenwart und Liebe erleben, einerseits bedürftig und zugleich schenkend.

Noch ist sie nicht verheiratet. Die Schwangerschaft wird sie in Bedrängnis bringen. Mit den Flügeln des Engels wölbt sich Gott über Maria. Gott wird sie in all den Schwierigkeiten schützen.

Maria wird von einem kleinen Wasserlauf gestreift. Er verbindet ein Korn, das wie ein Auge aussieht und aus dem Grün hervorsprießt. Im Hintergrund ein Brot und ein Kelch im Hintergrund. Sie deuten an: Gott will sein Leben mit uns teilen.

Lukas 1,26–38: (alle Bibeltexte in der Übersetzung Hoffnung für alle)

Elisabeth war im sechsten Monat schwanger, als Gott den Engel Gabriel nach Nazareth schickte, einer Stadt in Galiläa. Dort sollte er eine junge Frau namens Maria aufsuchen. Sie war noch unberührt und mit Josef, einem Nachkommen von König David, verlobt. Der Engel kam zu ihr und sagte: »Sei gegrüßt, Maria! Der Herr ist mit dir! Er hat dich unter allen Frauen auserwählt.« Maria erschrak über die Worte des Engels und fragte sich, was dieser Gruß bedeuten könnte. »Hab keine Angst, Maria«, redete der Engel weiter. »Gott hat dich zu etwas Besonderem auserwählt. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. Er wird mächtig sein, und man wird ihn Sohn des Höchsten nennen. Gott, der Herr, wird ihm die Königsherrschaft seines Stammvaters David übergeben, und er wird die Nachkommen von Jakob für immer regieren. Seine Herrschaft wird niemals enden.« »Wie soll das geschehen?«, fragte Maria den Engel. »Ich habe ja noch nie mit einem Mann geschlafen.« Der Engel antwortete ihr: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird sich an dir zeigen. Darum wird dieses Kind auch heilig sein und Sohn Gottes genannt werden. Selbst Elisabeth, deine Verwandte, von der man sagte, dass sie keine Kinder bekommen kann, ist jetzt im sechsten Monat schwanger. Sie wird in ihrem hohen Alter einen Sohn zur Welt bringen. Gott hat es ihr zugesagt, und was Gott sagt, das geschieht!« »Ich will mich dem Herrn ganz zur Verfügung stellen«, antwortete Maria. »Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast.« Darauf verließ sie der Engel.

Bild 2: Er stößt die Mächtigen vom Thron

R.-D. Ossa: Er stößt die Mächtigen vom Thron Der Besuch von Elisabeth ist für Maria wie ein Zeichen von Gott: „Du bist Teil meiner Rettungsaktion dieser Welt.“ Das lässt Maria jubeln.
Wir sehen einen König. Er trägt eine Krone und kniet auf dem Boden. Mit seinen Armen umschließt er schützend eine Gruppe winzig erscheinender Menschen. Sie sehen zu ihm auf und jubeln ihm zu.
Es sind die Geringen, die Unterdrückten, die namenlosen Menschen. Es sind die ohne scheinbare Stimme und Gewicht im Weltgeschehen. Sie zählen nur als billige Arbeitskräfte. Sie leben in den Elendsvierteln dieser Welt. Maria sieht, wie diese Menschen die Gemeinde des Messias bilden.
Der Messias ist der König, den Gott als Retter in diese Welt schickt. Er gibt ihnen Ansehen und schafft ihnen Gerechtigkeit. Eine große Umwälzung beginnt: Die Zukunft gehört nicht denen, die Gott den Rücken kehren und großspurig auf Kosten der kleinen Leute leben. Weil Gott sich als Gott erweist, gerät das momentane Machtgefüge ins Wanken. Die Mächtigen stürzt er vom Thron. „Sie fallen aus allen Wolken.“ Nicht sie, sondern Gottes Liebe ist das Maß aller Dinge.

Lukas 1,46–55:

Da begann Maria, Gott zu loben: »Von ganzem Herzen preise ich den Herrn. Ich freue mich über Gott, meinen Retter. Mir, seiner Dienerin, hat er Beachtung geschenkt, und das, obwohl ich gering und unbedeutend bin. Von jetzt an und zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen, denn Gott hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist! Seine Barmherzigkeit bleibt für immer und ewig, sie gilt allen Menschen, die in Ehrfurcht vor ihm leben. Er streckt seinen starken Arm aus und fegt die Hochmütigen mit ihren stolzen Plänen hinweg. Er stürzt Herrscher von ihrem Thron, Unterdrückte aber richtet er auf. Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern, und die Reichen schickt er mit leeren Händen weg. Seine Barmherzigkeit hat er uns, seinen Dienern, zugesagt, ja, er wird seinem Volk Israel helfen. Er hat es unseren Vorfahren versprochen, Abraham und seinen Nachkommen hat er es für immer zugesagt.«

Bild 3: Josefs innerer Kampf – Josef gedachte Maria zu verlassen

R.-D. Ossa: Josefs innerer Kampf: Josef gedachte Maria zu verlassenMaria ist schwanger, aber nicht von Josef. Wir sehen Maria im gelb-grünen Kleid und Josef ganz in Orange, beide Rücken an Rücken.

Beide senken ihre Köpfe. Doch während Maria betend in sich versunken dasteht, zieht Josef nach vorn gebeugt an Maria vorbei.

Die Nachricht liegt ihm wie ein Stein im Magen. Josef glüht von Kopf bis Fuß. Er hat seine Hände zu Fäusten geballt. „Nur weg hier!“ Jetzt ist nichts mehr, wie es vorher war.

Maria hat Josef von der Begegnung mit dem Engel Gottes erzählt. „Sie würde den Retter zur Welt bringen.“ Was sollte er davon halten? Versucht sie eine Affäre zu verschleiern? Andererseits, könnte wahr sein, dass Gott in ihr Leben eingegriffen hat?

Maria scheint in sich zu ruhen. Aber sie weiß nicht, wie es weitergehen wird. Göttliches Licht umhüllt ihr Gesicht. Sie vertraut Gott. Sie weiß: Ich kann Josef nicht überzeugen. Jetzt ist Gott dran. Jetzt heißt es warten und Josef Zeit lassen.

Auch auf Josefs Kopf und Oberkörper fällt Licht. Wird er dagegen ins Dunkel gehen? Das Bild lässt seine Entscheidung offen.

Matthäus 1,18-19:

Und so wurde Jesus Christus geboren: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Noch bevor sie geheiratet und miteinander geschlafen hatten, erwartete Maria ein Kind. Sie war vom Heiligen Geist schwanger geworden. Josef war ein Mann, der sich an Gottes Gebote hielt, er wollte Maria aber auch nicht öffentlich bloßstellen. So überlegte er, die Verlobung stillschweigend aufzulösen.

Bild 4: Josefs Traum – Scheue dich nicht, Maria zur Frau zu nehmen

R.-D. Ossa: Josefs Traum: Scheue dich nicht, Maria zur Frau zu nehmenJosef liegt im Bett und schläft. Links im Hintergrund steht das Paar wieder Rücken an Rücken. Er in dunkles Blau gehüllt, sie nackt, rehbraun. Ihr Kopf neigt sich nach unten. Ihre Arme ruhen auf dem runden Schwangerschaftsbauch.

In was für eine Zwickmühle ist Josef nur geraten. Wenn er Maria als Ehebrecherin an den Pranger stellt, könnte es sie das Leben kosten.

Aber er will sie nicht „wie ein Reh“ zum Abschuss freigeben. Dann lieber die Verlobung lösen. Das Gerede der Leute würde er ertragen. Er liebt Maria. Er liebt auch Gott.

Und Gott liebt Josef und Maria.
Darum lässt Gott in Josefs Traum einen Engel die Himmelstreppe hinabsteigen. Mit seinem hellen Licht rückt der Engel Maria an Josefs Bett. So spricht Gott dem Josef freundlich zu.

Josef wird an ein Wort des Propheten Jesaja erinnert: „Deshalb wird der Herr selbst das Zeichen geben. Seht! Die Jungfrau wird ein Kind erwarten! Sie wird einem Sohn das Leben schenken und er wird Immanuel genannt werden. Das heißt: Gott ist mit uns.“

Matthäus 1,18–21:

Und so wurde Jesus Christus geboren: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Noch bevor sie geheiratet und miteinander geschlafen hatten, erwartete Maria ein Kind. Sie war vom Heiligen Geist schwanger geworden. Josef war ein Mann, der sich an Gottes Gebote hielt, er wollte Maria aber auch nicht öffentlich bloßstellen. So überlegte er, die Verlobung stillschweigend aufzulösen. Noch während er darüber nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel des Herrn und sagte: »Josef, du Nachkomme von David, zögere nicht, Maria zu heiraten! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen, den sollst du Jesus nennen (›Der Herr rettet‹). Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien.«
Jesaja 7,14:
Jetzt gibt euch der Herr von sich aus ein Zeichen: Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Immanuel (›Gott ist mit uns‹) wird sie ihn nennen.

Bild 5: Alles besetzt – Kein Platz in der Herberge

R.-D. Ossa: Alles besetzt - Kein Platz in der HerbergeEs ist Nacht. Schemenhaft erkennen wir die Menschen, die durch die Gassen gehen. Im Vordergrund auf der Straße hebt sich ein Paar von der Menge ab. Ein Davidstern leuchtet über ihnen. Sein Schweif umhüllt Maria und Josef.

Ihnen sind die Strapazen und Enttäuschungen anzusehen. Sämtliche Herbergen sind bereits belegt. Hinter dem Paar steht eine Person in einer Tür. Hat sie dem Paar gerade mitgeteilt, dass auch dort kein Platz ist?

Maria hält sich den Bauch. Die Zahl der Wehen nimmt zu. Sie werden auch intensiver. Was soll Josef tun? Er legt seinen Arm um Maria. Will er sie trösten? Muss er sie schon stützen?

Beide erleben ein Stück bitteren Alltag Gottes: Wie oft klopft Gott bei uns Menschen an? Doch wir sind schon belegt. Unser Terminkalender ist bereits voll.

Maria und Josef finden in einem Stall Unterschlupf. Das neugeborene Kind wird in einen Futtertrog gelegt. So kommt Gott ganz tief herunter in die Welt.

Lukas 2,6–7:

In Bethlehem kam für Maria die Stunde der Geburt. Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall, denn im Gasthaus hatten sie keinen Platz bekommen.

Bild 6: Heilige Familie – „Am Du zum Ich“

R.-D. Ossa: Heilige Familie - "Am Du zum Ich"Die Formulierung „der Mensch wird am Du zum Ich“ stammt von dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und bedeutet, dass sich das eigene Selbstbewusstsein (Ich) erst in der Beziehung und Begegnung mit einem anderen (Du) entwickelt.

Ein Säugling ist auf die Zuwendung der Eltern angewiesen. Wir entfalten, was uns „in die Wiege“ gelegt wurde. Mal ist es ein Schatz, mal eine schwere Hypothek.

Im Bild sehen wir zunächst Mutter und Kind. Ihre Beziehung ist am Anfang am engsten. Marias Gesicht ist nur abstrahiert. Das Gesicht von Jesus ist auf eine leuchtende Kugel reduziert. Wer strahlt hier wen an?

Es fehlt aber etwas, wenn der Vater fehlt. Der Künstler hat ihn nachträglich eingefügt. Bei Josef herrschen die dunklen Erdtöne vor. Aber im Gesicht erkennt man das Violett aus dem Heiligenschein und himmlische Blautöne. Sein rechter Arm schiebt sich unter Marias Arm. So stützt er Maria und das Kind. Gemeinsam mit Maria stellt er sich der Verantwortung. Gemeinsam mit ihr schenkt er dem Kind seinen Schutz und seine Liebe, obwohl es nicht sein Kind ist.

Matthäus 1,24–25:

Als Josef aufwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm aufgetragen hatte, und heiratete Maria. Er schlief aber nicht mit ihr bis zur Geburt ihres Sohnes. Josef gab ihm den Namen Jesus.

Bild 7: Euch ist heute der Retter geboren

R.-D. Ossa: Euch ist heute der Retter geborenHirten bei der Nachtschicht werden Zeugen einer Erscheinung. Der Himmel öffnet sich. Engel teilen ihnen mit: „In dieser Nacht hat Gott eine Rettungsaktion gestartet. Sie umfasst alle Menschen.“

Die Kraft dieser Nachricht wird durch das hereinbrechende Licht spürbar. Hinter dem Engel mit der Posaune beugt sich ein zweiter vor, wie aus dem Fenster gelehnt. Über seinem Kopf strahlt der Judenstern: Das Heil kommt von den Juden, sagt die Bibel. Diese Heilsgeschichte begann mit Abraham und geht weiter über das Volk Israel für alle Welt.

Die Posaune wirkt wie ein mächtiges Megafon für die Hirten. Die Hirten machen sich auf den Weg zur Krippe in Bethlehem. Diese liegt noch im Dunkeln, wie in einer Höhle. Aber die Gesichter der Hirten werden erhellt. Sie werden selbst zu Boten.

Über der Krippe von Bethlehem, die noch im Dunklen steht, erheben sich die Häuser von Bethlehem wie brennende Kerzen. Sie bilden quasi den Leib des Verkündigungsengels.

„Ihr seid das Licht der Welt…“, sagt der erwachsene Jesus später zu Menschen, die ihm vertrauen. Und „…eine Stadt auf dem Berg kann nicht verborgen bleiben.“

Lukas 2,9–14:

Plötzlich trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, aber der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllen wird: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der versprochene Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!« Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten: »Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.«
Matthäus 5,14:
Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

Bild 8: Die Hirten beim Kind

R.-D. Ossa: Die Hirten beim KindEine Gruppe von Hirten umringt Maria und das Jesuskind. Das Licht des Davidssterns scheint durch ein Loch im Dach hindurch. Der Schuppen scheint baufällig zu sein.

Wir sehen die Gesichter der Hirten, hartgesottene Männer, die ihre Schafherden bei Wind und Wetter versorgen und wilden Tieren trotzen.

Das Gesicht des Babys ist eine zweite Lichtquelle. Jesus ist der Retter, den Gott seinem Volk geschickt hat. Die Engel hatten es den Hirten zugerufen. Deshalb gab es für die Hirten kein Halten mehr. Jetzt, beim Kind, halten sie inne. Einer geht auf die Knie und betet.

Die Hirten hinter ihm scheinen überrascht. „Gott so klein?“ Der Hirte neben Maria schaut sie an und denkt vielleicht: „Wie wird das sein, täglich so eng mit dem Retter der Welt verbunden zu sein?“ Ein Hirte hat die Augen geschlossen. Was geht in ihm vor? Vielleicht fragt er sich: „Warum bin ich hier? Was hat das mit meinem Leben und mit Gott zu tun?“

Ob die Hirten erkennen, dass Gott sie gesucht und gesammelt hat, wie sie selbst sonst täglich ihre Schafe? Gott ist der gute Hirte!

Lukas 2,15–19:

Nachdem die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, beschlossen die Hirten: »Kommt, wir gehen nach Bethlehem. Wir wollen sehen, was dort geschehen ist und was der Herr uns verkünden ließ.« Sie machten sich sofort auf den Weg und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Futterkrippe lag. Als sie es sahen, erzählten die Hirten, was ihnen der Engel über das Kind gesagt hatte. Und alle, die ihren Bericht hörten, waren darüber sehr erstaunt. Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach.

Bild 9: Die Hirten kehren voll Freunde in ihren Alltag zurück

R.-D. Ossa: Die Hirten kehren voll Freunde in ihren Alltag zurückWie ausgelassen feiernde Fußballfans tanzen die Hirten die Straße hinunter. Sie sind begeistert. Unser Retter ist geboren. Diese Freude verbindet sie. Die Straße wirkt wie eine Welle des Lichts.

Das Bild ist einfach gehalten. Der kindliche Stil der Malweise drückt die Freude aus, die wir bei Kindern erleben, wenn sie beschenkt werden. Die Hirten feiern Weihnachten wie Kinder. Sie feiern, dass sie Kinder Gottes sein dürfen. Was feiern wir Weihnachten?

Die Hirten feiern ihre Freude lautstark in den Straßen der Nacht. Sie können nicht anders, auch auf die Gefahr hin, den einen oder anderen Bürger aus dem Schlaf zu reißen. Wenn schon! Die Nachricht von der Geburt des Retters sollte niemand verschlafen.

Die Freude hat nicht nur sie gepackt. Selbst die Häuser beginnen zu tanzen und das Licht widerzuspiegeln. Diese Nachricht vom Kind in der Krippe wird die Welt verändern.

Der Jubel vom Sieg einer Fußballmannschaft ist schnell verflogen. Der Jubel über die Nachricht vom Retter, der geboren ist, hält bis heute in christlichen Kirchen und Gemeinschaften an.

Lukas 2,20:

Schließlich kehrten die Hirten zu ihren Herden zurück. Sie lobten Gott und dankten ihm für das, was sie gehört und gesehen hatten. Es war alles so gewesen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte.

Bild 10: Herodes erfährt: Ein neuer König wurde geboren

R.-D. Ossa: Herodes erfährt: Ein neuer König wurde geborenKönig Herodes erfährt von der Geburt eines neuen Königskindes. Er ist erschrocken. Er erfasst sofort, welche Auswirkungen die Geburt für ihn persönlich hat: Nur einer kann König sein! Herodes ist nicht bereit, seine Macht abzugeben.

Er trifft sich mit seinen Beratern. Vor den hochrangigen Besuchern aus dem Osten gibt er sich freundlich interessiert, sagt, er wolle gerne selbst den neuen König anbeten. Sie sollen das Kind suchen und ihn dann informieren. Er versucht zu verbergen, welche Emotionen wirklich in ihm kochen.

Was denken wir, wenn wir von einer höheren Macht hören, die die Herrschaft über unser selbstbestimmtes Leben beansprucht?

Herodes ist einer, der über Leichen geht, um seine Macht zu sichern.

Herodes ist einer, dessen Typus in jeder Epoche der Geschichte zu finden ist. Auch in unserer Zeit.

Doch das ändert nichts an der Tatsache: Christus, der Herr und Retter ist geboren! Gott meldet seinen Anspruch auf uns an. Jedoch ist seine Strategie, uns mit bedingungsloser Liebe zu gewinnen.

Matthäus 2,1–8:

Jesus wurde in Bethlehem geboren, einer Stadt in Judäa. Herodes war damals König. Da kamen einige Sterndeuter aus einem Land im Osten nach Jerusalem und erkundigten sich: »Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind aus dem Osten hierhergekommen, um ihm die Ehre zu erweisen.« Als König Herodes das hörte, war er bestürzt und mit ihm ganz Jerusalem. Er rief die obersten Priester und die Schriftgelehrten des jüdischen Volkes zusammen und fragte sie: »Wo soll dieser versprochene Retter denn geboren werden?« Sie antworteten: »In Bethlehem in Judäa. So heißt es schon im Buch des Propheten: ›Bethlehem, du bist keineswegs die unbedeutendste Stadt in Juda. Denn aus dir kommt der Herrscher, der mein Volk Israel wie ein Hirte führen wird.‹ « Daraufhin ließ Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich kommen und fragte sie aus, wann sie den Stern zum ersten Mal gesehen hätten. Anschließend schickte er sie nach Bethlehem: »Erkundigt euch genau nach dem Kind«, sagte er, »und gebt mir Nachricht, sobald ihr es gefunden habt. Ich will dann auch hingehen und ihm die Ehre erweisen.«

Bild 11: Die Weisen beim Kind: Freude bricht sich Bahn

R.-D. Ossa: Die Weisen beim Kind: Freude bricht sich BahnDie Bibel erzählt von Astronomen, Sterndeutern, die sich aus Persien aufmachten, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Die kirchliche Tradition hat aus ihnen „drei Könige“ gemacht. „Drei“, wohl wegen der drei Geschenke, die sie mitbrachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. „Könige“, wohl, weil Jesus der König der Könige ist.

Das Bild nimmt diese Tradition auf, wie die Krone und der goldene Hut von zweien der vier Personen zeigen, die vor dem Kind knien.

Alle bekommen vor Staunen große Augen. Zuvor die einfachen Hirten. Hier die Mächtigen und Reichen.

Dabei ist Gott in dem Kind ganz unten. Der alte Segenspruch „… er lasse sein Angesicht leuchten über dir“ kommt, anders als erwartet, von ganz unten. Alle betrachten das Kind von oben. Das Kind nimmt den untersten Platz ein, wie man es sonst von einem Diener kennt. Das ist das Wunder der Liebe Gottes, von dem der Dichter Paul Gerhardt dichtet: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen.“

Matthäus 2,9–11:

Nach diesem Gespräch gingen die Sterndeuter nach Bethlehem. Derselbe Stern, den sie schon beobachtet hatten, als er am Himmel aufging, führte sie auch jetzt. Er blieb über dem Haus stehen, in dem das Kind war. Als sie das sahen, kannte ihre Freude keine Grenzen. Sie betraten das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, fielen vor ihm nieder und ehrten es wie einen König. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Bild 12: Herodes will den neugeborenen König der Juden umbringen

R.-D. Ossa: Herodes will den neugeborenen König der Juden umbringenIn diesem Bild sind verschiedene Begegnungen und Szenen zu einem Gesamtbild verschmolzen. Rechts oben sieht man die persischen Astronomen vom Palast aufbrechen. Der Stern, dem sie folgen, ist für sie nicht sichtbar, auch wenn sein Schweif bis zum Palast reicht. Sie werden ihn wieder auf ihrem Weg nach Bethlehem sehen.

Als die Gruppe nicht zu Herodes zurückkehrt, lässt Herodes nach dem neugeborenen König der Juden suchen, um ihn umzubringen. Im Bild breitet sich diese Bedrohung übergroß über Maria aus. Herodes hat sein Messer gezückt. Er macht ernst. Seine Herrschaft ist in Gefahr. Darum geht Gewalt und Gefahr von ihm aus.

Aus seiner Krone wächst schemenhaft die Umsetzung seines Befehls. Soldaten ziehen los, um kleine Kinder zu töten. Doch das Licht des Sterns fällt in den Stall. Josef kommt mit dem gepackten Koffer. Gott hat sie gewarnt. Sie werden entkommen. Gott wird sie schützen und mit dem Kind seine Herrschaft aufrichten. Doch der Konflikt bleibt, wie das Gesicht zeigt, das durch das Kreuz charakterisiert ist. Gottes Herrschaft wird sich im Leiden und im Sterben von Jesus durchsetzen.

Matthäus 2,12–18:

Im Traum befahl ihnen Gott, nicht mehr zu Herodes zurückzugehen. Deshalb wählten sie für ihre Heimreise einen anderen Weg. Nachdem die Sterndeuter fortgezogen waren, kam ein Engel des Herrn im Traum zu Josef und befahl ihm: »Steh schnell auf und flieh mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich dir etwas anderes sage, denn Herodes lässt das Kind suchen und will es umbringen.« Da brach Josef noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten auf. Dort blieben sie mit Jesus bis zum Tod von Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch seinen Propheten angekündigt hatte: »Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.«
Herodes war außer sich vor Zorn, als er merkte, dass die Sterndeuter ihn getäuscht hatten. Er ließ in Bethlehem und Umgebung alle Jungen, die zwei Jahre oder jünger waren, umbringen. Denn nach den Angaben der Sterndeuter musste das Kind in diesem Alter sein. Auf diese Weise erfüllte sich, was Gott durch den Propheten Jeremia vorhergesagt hatte: »Laute Schreie hört man in der Stadt Rama, Weinen und Klagen nehmen kein Ende. Rahel weint um ihre Kinder, sie will sich nicht trösten lassen, denn ihre Kinder wurden ihr genommen.«

Bild 13: Herodes greift nach dem Kind

R.-D. Ossa: Herodes greift nach dem KindDas Bild zeigt den versuchten, aber vergeblichen Zugriff des Herodes auf das Kind. Die blauen Umrisslinien deuten die Krone von Herodes an. Seine Hände und sein Gesicht sind mit blutroten Linien durchzogen. Er ist bereit über Leichen zu gehen, um seine Macht zu erhalten.

Seine Hand berührt nur Josef, den eine dünne Schutzschicht aus Licht umgibt. Josef umarmt Maria und das Kind und gibt ihnen das Gefühl, geborgen zu sein. Josef hat Gottes Stimme vernommen und vertraut auf seinen Schutz.

Maria und das Kind blicken sich an. Sie sind eng miteinander verbunden. Sie will das Kind schützen mit dem Herzen einer Mutter.

Jetzt ist es noch möglich. Aber das Kind trägt bereits die Dornenkrone. Das Blau der Dornenkrone wird zu einer Linie, die sich zwischen ihre Gesichter schiebt. Es kommt der Tag, da muss Maria ihren Sohn loslassen. Sie muss erleben und erleiden, wie Jesus später am Kreuz sterben wird. Das wird ihre Seele schwer treffen.

Matthäus 2,12–18:

Im Traum befahl ihnen Gott, nicht mehr zu Herodes zurückzugehen. Deshalb wählten sie für ihre Heimreise einen anderen Weg. Nachdem die Sterndeuter fortgezogen waren, kam ein Engel des Herrn im Traum zu Josef und befahl ihm: »Steh schnell auf und flieh mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich dir etwas anderes sage, denn Herodes lässt das Kind suchen und will es umbringen.« Da brach Josef noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten auf. Dort blieben sie mit Jesus bis zum Tod von Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch seinen Propheten angekündigt hatte: »Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.«
Herodes war außer sich vor Zorn, als er merkte, dass die Sterndeuter ihn getäuscht hatten. Er ließ in Bethlehem und Umgebung alle Jungen, die zwei Jahre oder jünger waren, umbringen. Denn nach den Angaben der Sterndeuter musste das Kind in diesem Alter sein. Auf diese Weise erfüllte sich, was Gott durch den Propheten Jeremia vorhergesagt hatte: »Laute Schreie hört man in der Stadt Rama, Weinen und Klagen nehmen kein Ende. Rahel weint um ihre Kinder, sie will sich nicht trösten lassen, denn ihre Kinder wurden ihr genommen.«

Bild 14: Meine Augen haben deine Herrlichkeit gesehen

R.-D. Ossa: Meine Augen haben deine Herrlichkeit gesehenSimeon, der alte, ergraute, dunkelhäutige Mann, hält das Baby von Josef und Maria im Arm, schaut nach oben zum Himmel und spricht zu ihnen.

Die Begegnung spielt sich im Tempel ab. Im Bild spielt der Ort keine Rolle. Es ist eine Szene zwischen Himmel und Erde.

Maria und Josef sehen Simeon mit große Augen an. Was er über Jesus sagt, ermutigt sie zunächst:

„Herr, nun kann ich in Frieden sterben! Wie du es mir versprochen hast, habe ich den Retter gesehen, den du allen Menschen geschenkt hast. Er ist ein Licht, das den Völkern Gott offenbaren wird, und er ist die Herrlichkeit deines Volkes Israel!“

Doch aus dem hellblauen nebligen Hintergrund treten das Gesicht, die ausgestreckten Arme und der Oberkörper des gekreuzigten Christus hervor. Simeon nimmt das mit seinem inneren Auge wahr.

So wie Maria und Josef das Kind in die Hände des alten Mannes gelegt haben, so werden sie es auch später loslassen müssen, damit es den Weg gehen kann, auf dem Gott die Welt erlöst. Dennoch kann Simeon getrost sterben. Er weiß, Gott schenkt uns Zukunft, die über den Tod hinausreicht.

Lukas 2,25–35:

Damals wohnte in Jerusalem ein Mann namens Simeon. Er lebte nach Gottes Willen, hatte Ehrfurcht vor ihm und wartete voller Sehnsucht auf den Retter Israels. Der Heilige Geist ruhte auf Simeon, und durch ihn wusste er, dass er nicht sterben würde, bevor er den Christus, den vom Herrn gesandten Retter, gesehen hätte. Vom Heiligen Geist geführt, war er an diesem Tag in den Tempel gegangen. Als Maria und Josef ihr Kind hereinbrachten, um es – wie im Gesetz vorgeschrieben – Gott zu weihen, nahm Simeon Jesus in seine Arme und lobte Gott: »Herr, du hast dein Wort gehalten, jetzt kann ich, dein Diener, in Frieden sterben. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen: Du hast uns Rettung gebracht, die ganze Welt wird es erfahren. Dein Licht erleuchtet alle Völker, und deinem Volk Israel bringt es Größe und Herrlichkeit.« Maria und Josef wunderten sich über seine Worte. Simeon segnete sie und sagte dann zu Maria: »Gott hat dieses Kind dazu bestimmt, die Israeliten vor die Entscheidung zu stellen: ob sie zu Fall kommen oder gerettet werden. Durch ihn setzt Gott ein Zeichen, gegen das sich viele auflehnen werden. So zeigt er, was in ihrem Innern vor sich geht. Der Schmerz darüber wird dir wie ein Schwert durchs Herz dringen.«